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F27-Crash

Am 12.9.1964, gerade mal ein halbes Jahr nach ihrer Auslieferung, Verunfallte die noch neue Balair Fokker F27, HB-AAI, in Malaga und wurde schwer beschädigt – „beyond economical repair“ – wie man so schön sagt.

Vom Sohn eines kürzlich verstorbenen Passagiers dieses Unglücksfluges bekam ich im Spätherbst 2023 eine Dokumentation, die er vom Bundesarchiv erhalten hatte. Diese Dokumentation enthält u.A. die Berichte der Cockpit-Besatzung sowie einen Abschlussbericht des damaligen Eidg. Luftamtes (heute: BAZL, Bundesamt für Zivilluftfahrt). Diese Dokumente können hier heruntergeladen werden. Diese interessanten Dokumente zeigen vielerlei:

  • Die Cockpit-Procedures waren damals – sagen wir mal: mangelhaft. Captain Weehuizen wandte im Approach Final kurzzeitig das Ground Fine Pitch (GFP) an, „um festzustellen, ob das Propellersystem richtig arbeitete“ – ein Prozedere, welches in den Handbüchern nicht vorgesehen war. Und es war mit dem F/O auch nicht abgesprochen. Dabei musste er stark die Nase drücken, um die starke Bremswirkung dieses Manöver zu kompensieren. Anschliessend schob er den RPM-Hebel wieder nach vorn, womit der GFP eigentlich wieder ausgeschaltet werden sollte. Zumindest rapportierte er dies.
  • Beim Flare-Out hatte er eine reduzierte Speed (110 statt 125 Kt) und entschloss sich, die Landung trotzdem weiterzuführen, auch wenn sie hart ausfallen sollte. Was sie auch tat, und kurz vor dem Aufsetzen realisierte er, dass der GFP sich offenbar selbst wieder aktivierte. Oder hatte er die Motoren-Drehzahl eben doch nicht erhöht?
  • Die Flugunfall-Untersuchung war eher oberflächlich (bzw. gar nicht durchgeführt), vor allem im Vergleich mit den heutigen Untersuchungen. Ein Schlussbericht seitens der Fokker-Werke ist leider nicht verfügbar.

Die Landung war so hart, dass beide Flügel abrissen und die HB-AAI auf dem Rumpf rutschend zum Stillstand kam.

Die geschockten Passagiere verliessen die Maschine über die Türe, ebenerdig. Glücklicherweise waren keine Opfer zu beklagen.

Der Mechaniker und spätere F/E DC6, Fritz Schöpfer, wurde nach AGP delegiert, um alle brauchbaren Teile zu demontieren. Er musste in jener Woche den Schraubenzieher „nur noch nach links drehen“, wie er grinsend berichtete…

Dem Sohn des einen Passagiers danke ich herzlich für diese Dokumentation!

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