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Abenteuer mit Georges Adamson

Bericht von Willy Renfer: Erinnerungen an eine wunderschöne Zeit

Bei der Balair  durften wir uns immer wieder an den schönsten Orten dieser Welt aufhalten: Afrika, Ferner Osten, Nord- und Südamerika, Karibik usw.

Eine Rotation, die  mich besonders faszinierte, war eine Woche in Mombasa im Juni 1981, und diese hat bis heute in mir das Afrikafieber ausgelöst. In der Illustrierten die Bunte anfangs 1981 entdecke ich den Artikel  «Abenteuer im Dorf der Löwen». Man nannte dort Georges Adamson, den Löwenvater von Kenia. Das war für mich ein Zeichen, diesen Mann kennen zu lernen. (Zum vergössern auf Bild klicken)

Im Juni 1981 war es dann soweit (siehe Einsatzplan BB 620). Eine Woche Zeit in Mombasa!

Um diese Reise zu planen, erkundigte ich mich bei den andern Crewmembers, ob sie Interesse hätten, diesen Ausflug mit einem Land Rover von der Firma Kuldip mit mir zu unternehmen.

Vier Crewmembers waren spontan dabei für dieses Abenteuer bereit. Oskar Kaiser, Flugzeugmechaniker, und 3 weitere  Cabin Crewmembers. Am 30 Juni ging es los. Am frühen Morgen starteten wir  von Mombasa aus nach Malindi, dem Tana River entlang zu Georges Camp (Kampi ya Simba), was soviel heisst wie Camp der Löwen. Praktisch alles auf Naturstrassen, denn zu dieser Zeit gab es noch keine GPS oder Satellitentelephon, sondern nur eine Strassenkarte, die uns den Weg zeigte.

Es war eine sehr strapaziöse Reise voller Überraschungen: Radwechsel, Zusammenstoss mit einem Flusspferd (zum Glück nur Blechschaden); auch das Hippo kam nur mit dem Schrecken davon.

Bei Motorenproblemen hatten wir zum Glück unseren Flugzeugmechaniker dabei. Auch auf die Hilfe von den lokalen Leuten konnten wir zählen. Letztendlich schafften wir es, das Camp von Georges zu erreichen.

Trotz unserer unangemeldeten Ankunft wurden wir von Georges sehr herzlich empfangen. Er stellte uns für die nächsten Tage 2 seiner Hütten zur Verfügung, wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten. Das Camp befindet sich im Kora Reservat.

Georges Adamson lebte schon seit etwa 12 Jahren in dieser Gegend. Sein Assistent, Tony Fiz John, ebenfalls Engländer, war zu dieser Zeit 34 Jahre alt. Ein ganz wilder Kerl, der in diese Gegend passt.

Georges war damals 76 Jahre alt und immer noch in guter körperlicher Verfassung. Seine Frau Joy Adamson, bekannt aus dem Film „Born Free Löwin Elsa“, war1980 in Ihrem Haus in Meru, nahe des Mount Kenia, von einem Ihren Angestellten ermordet worden.

Nach unseren ersten Nacht wurden wir schon sehr früh am Morgen vom Vogelgezwitscher geweckt, welches uns den neuen Tag ankündigte. Beim gemeinsamen Frühstück eröffnete uns Georges, dass er heute auf die Suche seiner Löwen gehen würde und ob wir Lust hätten mit zu kommen. Begeistert von diesem Vorschlag fuhren wir kurz nach 0700 Uhr aus dem Camp. Georges mit seinem 30-jährigen Landrover voraus und wir hinterher.

Es waren 1 ½ Stunden Fahrt quer durch den Busch und am Tana River entlang, um nach den Löwen Ausschau zu halten. Leider hatten wir an diesem Tag kein Glück. Aber dafür fand Georges die Spur eines Wilddiebes, der mit seinem Kamel vor ungefähr 2 Tagen hier vorbeigekommen war.

Die meisten dieser Wilddiebe kommen aus Somalia über den Tana River. Sie machen vor allem Jagd auf Elephanten wegen den Stosszähnen. Georges erzählte uns, wie sie die Elephanten umbringen: Mit Pfeil und Bogen, die Spitzen der Pfeile sind mit Autobatteriewasser vergiftet. Dadurch erleidet der Elephant ein sehr qualvolles Ende. Es dauert ungefähr 45 Minuten, bis der Tod eintritt. Das heisst, das Tier kann sich noch gut bis zu 20 Km weit schleppen!

So hatten wir in den nächsten Tagen immer wieder ein neues Erlebnis. Elephanten, Löwen, Leoparden und die ganze Vogelwelt. Die Vegetation und die speziellen Gesteinsformationen in dieser sehr trockenen Gegend sind wirklich einmalig.

Das Baden im Tana River war nicht ganz ungefährlich. Natürlich auf Distanz zu den Krokodilen und Flusspferden (Hippos). Die Aussage von Georges war immer: „Take a swim but maybe there will be some Crocodiles or Hippos around”… Um 10 Uhr, nach der Pirsch, gab es immer einen Gin and Tonic, den early morning Drink am Tana River.

So entstand die Freundschaft zwischen Georges und mir und all den andern Balair Crew Members. Immer wieder haben wir das Camp von Georges und Tony besucht, entweder mit dem Auto oder dem Flieger. Etwa 10 Km vom Camp entfernt hatte es einen Airstrip, der aus einer Graspiste bestand. Auch haben wir immer wieder für finanzielle Unterstützung gesorgt und dafür eine Stiftung gegründet. Der sogenannte Kora Wildlife Preservation Trust.

Im August 1989 kam dann die Hiobsbotschaft, dass Georges von Wilderern aus Somalia erschossen worden war.

Somit endet hier eine Freundschaft auf eine ganz traurige Art und Weise. Was mir bleibt, sind all die schönen Erinnerungen und Erlebnisse, die ich mit Georges und all den andern Crew Members teilen durfte. Bis heute, auch noch mit 73, bin ich Afrika Fan geblieben. In den letzten Jahren reiste ich mit meiner Familie und mit Freunden immer wieder nach Namibia, Botswana und Tanzania.

2019 habe ich mir einen langersehnten Traum erfüllt. In Botswana, im Okawango Delta, absolvierte ich während eines Monats einen Teil einer Rangerausbildung. Ich war dort mit 6 andern Teilnehmern. Der Kurs wurde von 2 professionellen weissen Rangern aus Südafrika geleitet. 3 lokale Leute aus Botswana kochten für uns und schauten zum Zeltcamp. Im Busch, unter relativen einfachen Bedingungen, lernten wir vor allem Spuren lesen, meistens zu Fuss. Auch das Anpirschen zu Fuss gehörte dazu, vor allem der PDA (Potentially Dangerous Animals).  Dazu gehören Elephanten, Löwen, Leoparden, Büffel, Nashörner und Flusspferde. Des Weiteren lernten wir die verschiedenen Pflanzen kennen, und auch die Handhabung einer Waffe zum eigenen Schutz mit Übungen auf Scheiben gehörte dazu.

Viele dieser wunderbaren Aufenthalte durften wir auf Grund unseres Berufes als Flight Attendant bei der Balair erleben.

Danke BALAIR!

Liebe Grüsse an alle. Willy Renfer

Eine Antwort auf „Abenteuer mit Georges Adamson“

Lieber Willy, auch ich durfte einmal auf einer Safari mit dir dabei sein in Tansania. Es war die schönste von allen, wir mussten für eine Woche Proviant mitnehmen und haben in Zelten geschlafen. Das hast du alles organisiert und wir konnten einmal 2 Stunden nicht weiterfahren, weil eine ganze Löwenfamilie auf der Strasse schlief und wir nicht vorbeifahren konnten. Was für eine traumhafte Rotation, an die ich mich gerne erinnere! Danke Willy für Alles!

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