Humanitäre Einsätze

Nebst dem normalen Charter-Flugbetrieb war die Balair auf verschiedensten Nebenschauplätzen aktiv; Operationen – humanitäre Einsätze (z.B. Rotes Kreuz), politische Einsätze (z.B. UNO, Gefangenenaustäusche), die den Verantwortlichen viel Flexibilität abverlangten!
In Bearbeitung sind verschiedenste Aktivitäten. Über die meisten Einsätze gibt es keine Informationen in den Medien – hier sind noch Augenzeugenberichte gefragt. Informationen und Geschichten von „Dabeigewesenen“ sind daher höchst willkommen. Wir nehmen sie gerne entgegen und danken jetzt schon! Am Schluss dieser Seite gibts die Möglichkeit, Kommentare zu posten.

Viele dieser Einsätze…

… führten natürlich in oder durch Kriegsgebiete und waren dabei einer gewissen Gefahr ausgesetzt. Eine enge Koordination mit den Auftraggebern (ICRC, UNO etc.) war lebenswichtig. Von ihnen bekamen die Besatzungen deshalb oftmals spezielle Identifikationscodes, die sie rechtzeitig vor dem Eindringen in die Gebiete der Luftkontrolle angeben mussten und die einen bestimmten Schutz vor militärischen Aktionen boten.

Ein weiteres interessantes Detail war, dass die „Friend/Foe“-Erkennung (eine Art Transponder-Signal), welche alle militärischen Flugzeugen aussenden, war in unseren Flugzeugen natürlich nicht vorhanden. Deshalb musste ein Schutz gegenüber möglichen Abfangjägern angewendet werden, und dieser wurde ebenfalls vor dem Flug kommuniziert: Die Kabinenfenster mussten von vorne nach hinten nach einem genauen Plan geöffnet oder geschlossen und bei Nacht dafür die Kabine hell beleuchtet sein. Das ergab dann eine Art Code, welchen die Jagdpiloten erkennen mussten, damit sie das Flugzeug nicht abschossen.

Jerusalem: Ständige UNTSO-Operation
Foto: Hans Versell

Nach dem 6-Tagekrieg im 1967 beschloss die UNO, ein Überwachungskommission (UNTSO = United Nations Truce Supervision Organisation) ins Leben zu rufen. Obwohl die Schweiz nicht Mitglied der UNO ist, entschied sie sich gleichenjahres, Ihren Beitrag in Form eines vor Ort stationierten Flugzeuges zu leisten. Der Auftrag dazu ging an die Balair, die in Jerusalem eine feste Basis einrichtete. Von dort aus sollte vor allem UNO-Personal und kleinere Transporteinheiten zu den verschiedenen Überwachungsorten geflogen werden.

Capt. Hans Versell bespricht mit UNTSO Loadmaster Ladung und erwartete VIPs für den Flug nach Kairo.

Zum Einatz kam ursprünglich eine DC3 HB-ITD, welche später durch die F27 HB-AAZ abgelöst wurde. Zeitweise kam auch eine gemietete Mistère 20 HB-VAV zum Einsatz. Näheres zur Flotte auf https://balair-friends.ch/spezialflugzeuge/.

Die genaue Beschreibung der Missionen finden Sie unter UNO-Ops Jerusalem (balair-friends.ch)

Kongo: ICRC-Mission

Politisch von Belgien in die Unabhängigkeit entlassen, lieferten sich die verfeindeten Parteien einen erbitterten Bürgerkrieg, was die UNO veranlasste, einzuschreiten. Sie beauftragte 1960 die Balair, Flüge zwischen Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, und Goma (Kongo) durchzuführen. Das Eidgenössische Polititsche Departement gab im Rahmen seines Neutralitätsverständnisses sein Einverständnis.

Eine technisch-operationelle Basis wurde in Léopoldville eingerichtet, von wo aus regelmässige Lebens- und Hilfsmittelflüge durchgeführt wurden. Zum Einsatz kamen die zwei Vickers Viking und die drei DC4, und zeitweise waren bis zu 44 Mitarbeiter der Balair im Einsatz vor Ort.

Dauer der Operation: 1960 – 1961 (6 Monate)

Biafra: ICRC-Mission
Bild: Pinterest
Bild: Pinterest

Polititsche Ausgangslage: Nach der Entlassung aus der Kolonialmacht England zeigte sich Nigeria als ein Land mit mehreren Ethnien. Im Norden herrschten islamische Stämme, und im wirtschaftlich gut gestellten Südosten der christlichen Igbo-Stamm, der 1967 die Unabhängigkeit proklamierte. Ein äusserst brutaler Bruderkrieg führte 1968 zur militärischen Abschottung des neuen Staates Biafra, welcher schlussendlich nur noch über den Luftweg versorgt werden konnte.

Die Folge war eine ausbrechende, schreckliche Hungersnot, die verschiedene humanitäre Hilfsorganisatoren, darunter die amerikanische Joint Church Aid und das Internationale Rote Kreuz (IKRK) auf den Plan rief. Die Balair bekam 1967 den Auftrag, eine Luftbrücke für Lebensmittel und Medizingüter zwischen Fernando Poo (Äquatorial-Guinea) und Cotonou (Dahomey, heute Benin) nach Port Harcourt und Uli (Biafra) einzurichten. Dieser Auftrag erwies sich als eine sehr schwierige, aber auch gefährliche Operation. Sie sollte sich als die grösste Hilfsaktion des ICRC in ihrer Geschichte erweisen.

Flughafen Cotonou kurz vor dem Start der ersten Welle. Im Hintergrund die DC6 HB-IBT, welche kurz darauf abstürzte. Foto: Marcel Tschudin

Ein ausführlicher Erfahrungsbericht findet sich auf https://balair-friends.ch/biafra-1969/.

Bangladesh: ICRC-Mission

Ost-Pakistan, eine Enklave, erklärte sich 1971 als unabhängig von Pakistan – das neue Staatsgebilde nannte sich jetzt Bangladesh und geriet deswegen mit Pakistan in einen Bürgerkrieg, welcher das ohnehin bettelarme Land verwüstete und eine humanitäre Katastrophe verursachte.

Noch im selben Jahr beauftragte das IKRK die Balair, Hilfsflüge zwischen Dhaka, Chittagong, Comilla, Jessore, Sylhet, Ishurdi und Shibgani, sowie Repatriierungsflüge zwischen Pakistan und Afghanistan (Rawalpindi, Karachi, Lahore und Kabul) durchzuführen. Basis war Kalkutta, und zum Einsatz kamen zwei DC6. Die Ops war im 1972 zu Ende.

Vietnam: ICRC-Mission

Im Jahre 1975 beauftragte das Rote Kreuz die Balair, humanitäre Hilfsflüge in das am Krieg leidende Vietnam zu fliegen. Die Ops dauerte zwei Monate und umfasste Einsätze zwischen Vientiane (Basis), Saigon und Hanoi.

(Weiterhin in Bearbeitung)

Angola: ICRC-Mission

(In Bearbeitung)

Beirut: ICRC-Mission

Der Libanon wurde früh Schauplatz von Bürgerkriegen aller politischen und religiösen Parteien. Im Auftrag des IKRK flog die Balair mit einer DC6A/B HB-IBS verschiedene Hilfsflüge nach Beirut. Bei dieser Ops geriet die Balair wie seinerzeit in Biafra wieder ins Visier der kämpfenden Einheiten. Wie gefährlich das war, zeigt ein Vorfall: Bei einem Anflug auf Beirut sassen zusätzliche Besatzungsmitglieder in den Crew-Sitzen in der Galley, unmittelbar hinter dem Cockpit. Einer von ihnen lehnte sich während des Gesprächs nach vorne, und in diesem Moment ertönte ein Knall. Dort, wo er Sekunden vorher noch seinen Kopf gehalten hatte, war nun ein Einschussloch in der Kabinenwand!

Tatsächlich waren weitere Flüge aufgrund der Kriegslage nicht mehr zu verantworten, und die Ops wurde abgebrochen.

(Weiterhin in Bearbeitung)

Grenada-Kuba Gefangenenaustausch 1983

Auf der Karibikinsel Grenada schien sich anfangs der 80er-Jahre eine politische Krise zu entwickeln. So vermutete das wenigstens der US-amerikanische Geheimdienst; sie wies auf massive Waffenlieferungen der Sowjetunion wie in den 60ern auf Kuba hin. Beweise für diese Vermutungen gab es allerdings keine. Als nach einem Putsch eine Militärdiktatur aufgebaut werden sollte und am 23. Oktober 1983 ein Anschlag auf einen US-Stützpunkt erfolgte, fand am 25. Oktober eine US-Invasion auf Granada statt.

Die Nationenliste der kämpfenden Soldaten war eindrücklich: nebst der kämpfenden 1’200 Grenader war waren dies 784 Kubaner (davon waren 636 Bauarbeiter und 43 offizielle Militärs), 49 Sowjetbürger, 24 Nordkoreaner, 16 DDR-Bürger, 14 Bulgaren und 3 oder 4 Libyer.

Die Kämpfe dauerten ein paar Tage. 19 US-Soldaten wurden während der Kampfhandlungen getötet und 109 verletzt. Die Zahl der Opfer auf grenadischer Seite wird mit 45 gefallenen Landsleuten und 25 getöteten Kubanern, die Zahl der Verwundeten insgesamt mit mehr als 400 angegeben.

Die Balair wurde vom EDA beauftragt, zwischen Grenada und Kuba Gefangenen-Austauschflüge durchzuführen. Es fand jedoch nur ein einziger Flug statt: RX845, 30.10.-4.11.1983 mit der DC6/63 HB-IDZ. Von Peter (Pesche) Fuhrimann und Hans Schmausser stammt der ausführliche Bildbericht auf https://balair-friends.ch/zigarren-von-fidel-castro/

Hilfsflüge nach Eriwan, Dezember 1988

Am 7. Dezember 1988 zerstörte im Norden Eriwans (damals noch Teil der UDSSR) ein starkes Erdbeben mehrere Städte und Dörfer. Mindestens 25‘000 Tote und 31‘000 Verletzte waren zu beklagen, und 514 Menschen verloren ihr Zuhause. Mit Sicherheit war die schlechte Baustruktur der Gebäude für den Zerstörungsgrad mitentscheidend.

Sofort begann eine Welle internationaler Hilfsaktionen, denn es fehlte an allem, und vor allem die resultierende Obdachlosigkeit war in dieser Jahreszeit ein hartes Los!

Vor allem waren professionelle Organisationen involviert; auch die Schweiz sandte Armeematerial (Zelte und Wolldecken), medizinische Mittel sowie Spitalinventar ins Krisengebiet, aber auch die bereits legendären Lawinenhunde, die die in den Trümmern verschütteten Leute aufspüren sollten. Auftraggeber waren Rettungskette Schweiz und das Schweizer Katastrophenhilfskorps.

Daneben waren aber auch andere Organisatoren präsent, gut gemeint, aber nicht immer wirklich professionell. Das damals noch ziemlich neue und nach Publizität lechzende «Radio Basilisk» startete mit viel Brimborium eine Sammelaktion mit alten Kleidern, die nach Eriwan geschickt werden sollten – natürlich mit der Balair. Das Radiopublikum spendete alles, was es für hilfreich erachtete, also auch z.B. alte Pyjamas, die in Eriwan gleich in einer Tonne landeten.

Es gab mehrere Einsätze nach Eriwan (EVN), aber ein spezieller Flug mit unserer HB-INW schrieb Geschichte. Siehe den Bericht der Beteiligten: Eriwan-Hilfsflüge (balair-friends.ch)

Hadj (Pilgerflüge nach Mekka): Saisonale Special Ops

Einmal im Leben müssen Moslems eine Pilgerreise nach Mekka unternehmen. Dies ist nur während der Fastenzeit, dem Hadj („gespr. Hadsch“), möglich. Aus aller Welt reisen die Pilger an, um dort während mehrerer Tagen ihr Pilgerprogramm zu absolvieren. Ganz klar, dass hierfür gewaltige logistische Anstrengungen nötig sind.

Die Balair war während mehreren Jahren in diesen Hadj involviert, mit normalen Flugzeugen ihrer Flotte. Zum Einsatz kamen die DC8/55 HB-IDU, DC8/63 HB-IDZ und schlussendlich sogar die DC10/30 HB-IHK. Was alle Maschinen gemeinsam hatten, war die intensive Reinigung, die ihnen jeweils am Ende der Ops in Zürich angediehen wurde (dringend werden musste).

Ein Erlebnisbericht von Robert Appel auf https://balair-friends.ch/hadj-ops-jed/

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